
Harnverhalt (Harnretention)
Ursachen von Harnverhalt
Die häufigsten Ursachen für Harnverhalt sind:
- Vergrößerte Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH): Bei älteren Männern ist eine vergrößerte Prostata eine der häufigsten Ursachen für Harnverhalt. Die Prostata drückt auf die Harnröhre und blockiert den Urinfluss.
- Harnröhrenverengung (Urethrastriktur): Eine Verengung der Harnröhre durch Narbengewebe oder Verletzungen kann den Urinabfluss behindern.
- Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Rückenmarksverletzungen können die Nervenfunktion beeinträchtigen, die die Blasenentleerung steuern.
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Antihistaminika, Antidepressiva oder Betäubungsmittel, können den Blasenmuskel beeinflussen und zu Harnverhalt führen.
- Blasensteine oder Tumore: Blasensteine oder Tumore in der Blase oder Harnröhre können den Urinfluss blockieren und Harnverhalt verursachen.
Symptome von Harnverhalt
- Unfähigkeit, die Blase vollständig zu entleeren
- Starker Harndrang, aber Unfähigkeit zu urinieren (bei akutem Harnverhalt)
- Schmerzen oder Unwohlsein im Unterbauch
- Häufiger Harndrang in kleinen Mengen (bei chronischem Harnverhalt)
- Ein schwacher oder unterbrochener Harnstrahl
- In schwereren Fällen: Inkontinenz oder Auslaufen von Urin, wenn die Blase überfüllt ist
Diagnose von Harnverhalt
Die Diagnose von Harnverhalt erfolgt durch eine Kombination aus körperlicher Untersuchung, Anamnese und diagnostischen Tests:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt kann den Bauchbereich abtasten, um eine überfüllte Blase zu erkennen.
- Blasenscan (Ultraschall): Ein Ultraschall wird verwendet, um die Menge an Restharn in der Blase nach dem Wasserlassen zu messen und festzustellen, ob die Blase sich vollständig entleert.
- Uroflowmetrie: Dieser Test misst die Stärke des Harnflusses, um die Blasenfunktion zu beurteilen.
- Zystoskopie: Eine Untersuchung der Harnröhre und Blase mit einem Endoskop, um strukturelle Ursachen wie Verengungen oder Tumore zu erkennen.
- Bluttests: In einigen Fällen können Bluttests durchgeführt werden, um Nierenfunktionsstörungen oder Infektionen auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten bei Harnverhalt
- Katheterisierung: Bei akutem Harnverhalt wird in der Regel ein Katheter durch die Harnröhre in die Blase eingeführt, um den Urin abzulassen und den Druck auf die Blase zu reduzieren.
- Medikamente: Bei chronischem Harnverhalt, insbesondere durch Prostatavergrößerung, können Medikamente wie Alpha-Blocker oder 5-Alpha-Reduktase-Hemmer verschrieben werden, um die Symptome zu lindern.
- Chirurgische Eingriffe: Bei strukturellen Problemen wie Harnröhrenverengungen, Blasensteinen oder schwerer Prostatavergrößerung kann eine Operation notwendig sein, um die Blockade zu beseitigen und den normalen Urinfluss wiederherzustellen.
- Blasentraining: In Fällen von neurologisch bedingtem Harnverhalt kann Blasentraining oder Selbstkatheterisierung erforderlich sein, um eine regelmäßige Entleerung der Blase zu gewährleisten.
Präventionsmaßnahmen bei Harnverhalt
Die Prävention von Harnverhalt hängt von der Ursache ab. Bei Männern mit Prostatavergrößerung können regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, das Risiko von Harnverhalt zu verringern. Eine frühzeitige Behandlung von Harnwegsinfektionen, Harnröhrenverengungen oder neurologischen Erkrankungen kann ebenfalls dazu beitragen, Harnverhalt zu verhindern. Bei der Einnahme von Medikamenten, die Harnverhalt verursachen können, sollten mögliche Alternativen mit dem Arzt besprochen werden.
Häufige Patientenfragen zu Harnverhalt
Bei akutem Harnverhalt sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden, da die fehlende Entleerung der Blase zu ernsthaften Komplikationen wie Nierenschäden oder Infektionen führen kann. Ein sofortiger Eingriff ist besonders wichtig, wenn die Blase stark überfüllt ist und starke Schmerzen verursacht.
Harnverhalt wird als Notfall betrachtet, wenn die Blase plötzlich nicht mehr entleert werden kann und Schmerzen oder Druckgefühle im Unterbauch auftreten. Auch wenn Blut im Urin oder Fieber als Begleitsymptome auftreten, ist eine sofortige medizinische Behandlung erforderlich, um ernsthafte Komplikationen zu vermeiden.
Gewohnheiten wie das lange Zurückhalten des Urins, unzureichende Flüssigkeitszufuhr und der übermäßige Konsum von Alkohol oder Koffein können das Risiko eines Harnverhalts erhöhen. Auch das Sitzen über längere Zeiträume ohne Bewegung kann den Harndrang beeinträchtigen.
Vorbeugende Maßnahmen umfassen regelmäßiges Wasserlassen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Vermeidung von Faktoren, die die Blase reizen, wie Alkohol und Koffein. Menschen mit bestimmten Erkrankungen, die das Risiko erhöhen, sollten regelmäßig ärztliche Kontrollen durchführen lassen.
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